Bentley S1 - 1954
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Modellgeschichte und Kuriositäten
Der Bentley S1, ursprünglich einfach „Bentley S“ genannt, ist einer der Meilensteine in der Geschichte der britischen Marke und entstand zeitgleich mit seinem „Zwilling“, dem Rolls-Royce Silver Cloud I.
Damals gehörte Bentley zum Rolls-Royce-Konzern, und der S1 war ein Paradebeispiel für die Vermarktung von Luxusfahrzeugen unter einem anderen Markennamen: Die beiden Fahrzeuge waren technisch identisch, doch der Bentley unterschied sich durch seinen markanten, runderen und dynamischeren Kühlergrill sowie das Logo auf der Motorhaube und vermittelte ein etwas sportlicheres Fahrgefühl als der formellere Rolls-Royce.
Er war der letzte in Serie gefertigte Bentley, der auf einem separaten Leiterrahmenchassis aufgebaut wurde. Der S1 ging als letzter Serien-Bentley mit dem legendären, von Rolls-Royce abgeleiteten Reihensechszylinder-Motor in die Geschichte ein. Ab dem S2 kam der berühmte V8-Motor zum Einsatz, ein 4,9-Liter-Motor mit Graugussblock und Aluminiumzylinderkopf, der von zwei SU-Vergasern versorgt wurde. Ein 4-Gang-Automatikgetriebe, ursprünglich von General Motors, war serienmäßig, wurde aber in Lizenz gefertigt. Schaltgetriebe wurden zur absoluten Seltenheit und verschwanden 1957 vollständig aus dem Programm.
Die Servolenkung wurde 1956 als Option eingeführt und war unerlässlich, um ein fast zwei Tonnen schweres Auto zu beherrschen. Die Hinterradaufhängung ließ sich über einen Schalter am Armaturenbrett elektrisch verstellen, um die Federung straffer oder komfortabler einzustellen.
Die Höchstgeschwindigkeit lag bei knapp 166 km/h, die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h erfolgte in etwa 13 Sekunden.
Der Innenraum gleicht einem britischen Salon. Die Kabine des S1 verkörpert den Inbegriff britischen Luxus: feinstes Wurzelnussholz ziert das Armaturenbrett und die Klapptische für die Fondpassagiere, riesige, sesselartige Sitze sind mit hochwertigstem Connolly-Leder bezogen, und im Vergleich zum Vorgängermodell R-Type bieten sie deutlich mehr Beinfreiheit und Kofferraumvolumen.
Der S1 verzichtete auf einen herkömmlichen hydraulischen oder Vakuum-Bremskraftverstärker: Er nutzte einen mechanischen Servomechanismus, der vom Getriebe angetrieben wurde – ein System, das ursprünglich von Hispano-Suiza patentiert worden war. Je schneller das Auto fuhr, desto mehr mechanische Energie lieferte die Antriebswelle, um den Druck auf die Trommelbremsen zu verstärken. Das Ergebnis war für die damalige Zeit eine unglaublich gute Bremsleistung.
Der 4,9-Liter-Reihensechszylinder, auch „Big Bore“ genannt, war der Höhepunkt einer Konstruktion, die vor dem Zweiten Weltkrieg entstanden war. Obwohl der Motor extrem leise war, hatte er die Grenze seiner thermischen Leistungsfähigkeit erreicht: Es war nicht möglich, weitere Leistung herauszuholen, ohne seine Zuverlässigkeit zu beeinträchtigen. Deshalb wurde er 1959 durch den V8 ersetzt.
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